Musical-Aufführung: Sulzbacher Gymnasiasten überzeugen mit großartiger schauspielerischer Leistung
Von SZ-Mitarbeiter Patric Cordier
Grandios! Ergreifend! Enorm professionell!
Die Zuschauer fanden nach der letzten Aufführung des Musicals Notre Dame de Paris im Sulzbacher Theodor-Heuss-Gymnasium am Donnerstag kaum genug Superlative, um die über zweistündige Aufführung zu loben. Die Akteure und die Musik haben mich sofort in ihren Bann gezogen, so Staatssekretärin Susanne Reichrath, man hatte nie den Eindruck, bei einer Schüleraufführung zu sein. Gleich zu Beginn betrat Hendrik Andersen in der Rolle des Erzählers Gringoire die Bühne. Stimmgewaltig und auf französisch wie übrigens alle Lieder in französischer Sprache vorgetragen wurden schaffte Andersen einen begeisternden Einstieg in die Geschichte von Esmeralda. Sie liebt den Soldaten Phoebus, der allerdings schon mit Fleur-de-Lys verlobt wird. Doch auch der dunkle Priester Frollo und der bucklige, fast taube Glöckner Quasimodo haben ihr Herz an die schöne Zigeunerin verloren. Das Drama nimmt seinen Lauf.
Am Donnerstag glänzte Annalena Löw in der Rolle der Esmeralda. Ihre ausdrucksstarke Stimme deckt das gesamte Spektrum ab, von rauchig-erotisch bis glockenklar. Irgendwann passt alles zusammen. Gesang, Tanz und Schauspiel, sagte die 18-Jährige, dann ist man einfach Esmeralda. Annalena debütierte am THG im Musical Hair vor einigen Jahren, spielt in ihrer Freizeit in einer Quierschieder Laiengruppe und will auch während des bald beginnenden Studiums die Bühne nicht ganz verlassen.
Neben Esmeralda brillierte Tobias Schneider in der bekanntesten Rolle von Notre Dame: als Glöckner Quasimodo. Dabei musste sich der normalerweise 1,90 Meter große Schüler während der ganzen Zeit gebückt und humpelnd im vom Frederick Brockmeyer gestalteten Bühnenbild bewegen. Gerade das Singen der hohen Töne war in dieser Körperhaltung besonders schwer, erklärte der 19-jährige Tobias, mein Französischlehrer meinte, es sei schon mutig, dass jemand, der so schlecht Französisch spricht wie ich, nun in dieser Sprache singt.
Hinterhältig und gemein, aber auch bemitleidenswert traurig so spielte Jan-Marcel Müller den Priester Frollo. Beim Lied Etre prêtre et aimer une femme, in dem der Zwiespalt zwischen Priesteramt und der Liebe zu einer Frau zum Ausdruck kommt, erinnerte Müllers Stimme an den berühmten französischen Schlagersänger Pascal Obispo. Paul Lampel (als Phoebus) überzeugte ebenso wie Alja Hefti (als Anführerin der Obdachlosen) und Annika Hassel (Fleur-de-Lys).
Auch die Nebenrollen waren mit großer Hingabe und Tiefgang gespielt. Der Chor aus Schülern, Eltern und Lehrern, unterstützt von der Chor-Formation Horizont beeindruckte mit Präzision und stimmlicher Vielfalt und ergänzte sich prima mit der von Marcus Dietrich und Andreas Klein geleiteten Band.
Wir sind alle etwas traurig, dass dies die letzte Vorstellung war, meinte Esmeralda Annalena Löw, es war einfach klasse, mit so vielen tollen Leuten zusammenzuarbeiten.
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Mit keiner Silbe erwähnt
Zum Artikel Ergreifend, grandios und sehr professionell - Musical-Aufführung: Sulzbacher Gymnasiasten überzeugen mit großartiger schauspielerischer Leistung" - SZ vom 13. Juli
Ich finde es ja grundsätzlich gut, dass Sie das Engagement von jungen Leuten würdigen und in einem halbseitigen Artikel die großartige Leistung eines Künstler-Kollektivs von über hundert Schülern, Eltern und Lehrern, die das Musical Notre Dame de Paris am Theodor-Heuss-Gymnasium Sulzbach aufgeführt haben, in den Mittelpunkt stellen. Ach nein, das stellen Sie ja gar nicht in den Mittelpunkt. Sie stellen eine einzige Hauptdarstellerin in den Mittelpunkt.
Erstens ist es ein Schlag ins Gesicht für die andere Besetzung dieser Rolle (zu Ihrer Information: Nina Links), mit keiner Silbe in Ihrem Artikel erwähnt zu werden, und zweitens finde ich es überhaupt insgesamt nicht angebracht, eine Person herauszuheben, da dieses Musical, wie bereits oben erwähnt, von über hundert verschiedenen Darstellern, Sängern, Bühnenbildnern
und Musikern zusammen aufgeführt und einstudiert wurde.
Erstens wäre die Leistung der anderen Darsteller, die Sie in einem Halbsatz erwähnen, in herausragender Weise zu würdigen gewesen und daneben die andere Darstellerin der Esmeralda, Nina Links, die von dem größeren Teil der Zuschauer gefeiert wurde, genauso in den Mittelpunkt zu stellen gewesen. Ich finde es schade, dass Sie durch diesen Artikel einigen Leuten, von denen das Musical seinen eigentlichen Charme und seine Brillianz verliehen bekam, nämlich Nina Links als Esmeralda, Ulrike Gräff-Walle und Marie-Luise Keller-Sandner als die beiden hauptverantwortlichen Lehrer, ohne die das Musical überhaupt nicht zustande gekommen wäre, nicht den Respekt entgegenbringen, der ihnen gebührt, da Sie sie schlicht und einfach nicht erwähnen.
Michael Naumann, Quierschied