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Ausflug Rhein - O I 1930
Ausflug Rhein – O I –1930 – Anlage 1 Klassenausflug der Oberprima 1930/31 Seit Weihnachten schon wurde gesammelt; dem Bartsch musste man wöchentlich 3 frs. bezahlen, wollte man auf dem Laufenden bleiben. Alle 14 Tage wurde der Mammon auf die Sulzbacher Volksbank getragen, wo er dann friedlich ruhte, bis er, samt den Zinsen, am Dienstag, 24. Juni 1930 abgeholt wurde: 96 frs. plus 5 % Zinsen. Ein ansehnliches Sümmchen. Es sollte für 4 ½ Tage reichen. Weil es, hoffentlich, der letzte Ausflug unter den Fittichen des allbeliebten Herrn Professors Nieveler sein sollte, gedachte man mal wieder ein bisschen an den Rhein zu gehen, diesmal aber ein wenig weiter. Gut. Am Mittwoch Nachmittag 2.40 Uhr fand sich alles, darunter auch zwei Damen, mit zierlichen Köfferchen und Stöckelschühchen bewaffnet, auf dem Bahnhof ein. Die Saarbrücker saßen schon im Zug. Am Fenster prangte ein mit Spucke notdürftig befestigter Zettel mit der Blaustiftaufschrift „Reserviert“, von Schaffnerhand geschrieben. Es begann die ziemlich langweilige Fahrt nach Bingerbrück. Man stelle sich vor: 5 Stunden Bummelzug! Die Zeit wurde mit allen möglichen Knüppeln totgeschlagen, und schließlich erreichten wir Bingerbrück. Der Aufenthalt wurde benutzt, rasch einen und zwei hinter die Binde zu gießen. Dann brachte uns der Zug nach Bacharach, wo wir die erste Nacht auf Burg Stebach verbringen wollten, Unter Ächzen und Stöhnen stiegen wir ein- wer lange sitzt, muß rosten- den Burgberg hinan und fanden Unterkunft im selben Raum wie vor 2 Jahren. Das Missliche war, dass die Bude um ½ 10 Uhr schon geschlossen wurde, wir also gerade noch zu Abend speißen konnten und dann in die Falle kriechen mussten. Viel Radau wurde nicht gemacht. Nur der arme Dillinger wurde verdächtigt, das bisschen, ohne das es doch nicht abgeht, hervorgerufen zu haben. Am andern Morgen regnete es Bindfäden, doch guter Dinge stiegen wir schon vor 7 Uhr den Berg hinunter zur Bahn und fuhren mit dem Eilzug nach Bad Godesberg, dem Ziel unseres Ausfluges. Von der Fahrt am Rhein hatten wir nicht viel wegen des Regens. In Godesberg stapften wir, unsere aufsteigende schlechte Laune herunterwürgend, auf endlosen Pfaden der Jugendherberge zu. Sie übertraf unsere sämtlichen Erwartungen. Ein wirklich feines Haus! Da wir in Bacharach noch kein Frühstück bekommen hatten, holten wird das Versäumte nach und aßen wie die Scheunendrescher, so dass unsere Vorräte merklich zusammenschrumpften. Mit Mänteln bewaffnet- einige ganz Verwegene hatten überhaupt keinen da- zogen wir dann bei ständigem Regenwetter auf die Godesburg. Lebhaft stand uns dabei die Geschichtsstunde vor Augen, in der wir nicht wußten, dass diese Burg anläßlich des Kölner Kirchenstreites zerstört wurde, und wir dafür dies und jenes einstecken mussten. Eine große Fernsicht genossen wir nicht, das Siebengebirge lag in Wolken gehüllt. Was blieb uns da anderes übrig, als wieder abzusteigen und – beim Ännchen einzukehren. Erfreulicherweise bestellten sich dort einige Zitronensaft und keinen Alkohol. Ein starkes Stück für Oberprima! Allsogleich begann auch die Kartenschreiberei. Auf allen war Gejammer über das Wetter zu lesen. Doch damit wurde es auch nicht besser. Es regnete weiter. Der Nachmittag war für Privatunternehmungen frei gehalten. Ich entschloß mich, nach Brühl zu fahren, wo mein alter, unbeweibter Apothekeronkel hauste. Infolgedessen entzieht es sich meiner Kenntnis, was die Übrigen alles auf den Kopf gestellt haben. Der Abend war klar und schön. Um ½ 10 Uhr mußten wir unsere Schlafräume aufsuchen. Verschiedene wollten noch „brausen“. Doch, Kirschekuchen! Auch die Brausen für Knaben waren mit Beschlag belegt vom weiblichen Geschlecht, das überaus zahlreich hier vertreten war und sich durch vorlautes Wesen auszeichnete. Im Laufe der Zeit vertrugen wir uns aber mit der Gesellschaft. Was blieb uns auch anderes übrig? Dafür spülten sie denn auch unser Geschirr! Am Freitag morgen sollte die Reise „ins Siwejebirge“ steigen. Wir warteten, bis der Regen aufhörte, und zogen um 9 Uhr los. Mit der elektrischen Fähre setzten wird nach Niederdollendorf über und wanderten dann nach Heisterbach. Den Getränken der Klosterwirtschaft wurde leider mehr Beachtung geschenkt als der ehrwürdigen Ruine. Von hier ging es weiter nach dem Petersberg. Nach allen Seiten genossen wir die schöne Aussicht. Auf dem Wege nach dem Ölberg wurden wir noch einmal gehörig gewaschen. Aber dann war`s Schluß mit dem Regen für die ganze Fahrt. Im Margarethenhof macht wird Mittagsrast. So allmählich bildeten sich auch die einzelnen Gruppen, die ständig beisammen waren: 3 Saarbrücker, die Grandseigneurs, dann noch das gemischte Kleeblatt, bestehend aus Pitt und den beiden Damen. Die übrigen hüpften wie unschuldige Lämmer bald hier, bald dorthin. Auffallend war die Faulheit bei manchen Leuten, die jetzt schon jammerten über den gar nicht beschwerlichen, sehr schönen, lustigen Marsch. Am Fuß der Löwenburg blieben einige zurück und warteten, bis die anderen wieder herunter kamen. Zum Schluß wurde noch der Drachenfels genommen. Die Fernsicht war wundervoll. Am Horizonte konnten wir die Kölner Domtürme erkennen. Engländer gab es genug hier oben, die vor jedem Stein des „castle rag of Drachenfels“ mit einem „very nice“ und Stielaugen stehen blieben. Dann stiegen wir zwischen Photographen, Wahrsagerinnen, Erinnerungsverkaufsständen u.a. schönen Dingen hindurch nach Königswinter hinunter und kehrten bei Bellinghausen ein, wo wir Erdbeerhümpchen, Erdbeertorte mit Schlagsahne und andere Dinge verdrückten. Mit dem Motorbötchen fuhren wird dann nach Godesberg hinüber. In der Herberge fanden wir die doppelte Ration Frauenzimmer und eine englische Knabenklasse aus Newcastle vor. Diesen Abend kamen die meisten zu ihrem Brausebad, fanden aber nicht rechtzeitig den Weg zum Schlafsaal und mussten sich im Dunklen vorwärts tasten. Im Schein der Taschenlampen richteten sie notdürftig ihr Bett (?) für die Nacht. Vor dem Einschlafen war es notwendig, dass die Luft etwas durch Kölnisch Wasser verbessert wurde. Warum? Keiner war`s gewesen!! Samstagmorgen. Aufstehen wie immer 6 Uhr. Aber schon vorher wurde der nötige Krach gemacht, die anderen zu wecken. Für diesen Tag hatten wir nicht viel vor. Wir konnten also in Muße frühstücken. Schlafssaal und Waschraum brauchten wir nicht zu reinigen. Es waren andere an der Reihe. Wir liefen also zum Bahnhof und fuhren mit der Elektrischen bis Mehlem, wanderten mit kleinen Unterbrechungen über den Rolandsturm zum Rolandsbogen. Hildebrand hatte heute seinen Apparat mitgenommen. Es wurde demnach auch geknipst nach Noten, um das Versäumte von Freitag- der Unglaubliche hatte seinen Apparat vergessen- nachzuholen. In einem Kellerrestaurant in Rolandseck speißten wir für 1,50 M zu Mittag. Das Essen war gut, aber zu wenig. Nun wollten wir eigentlich nach Honnef hinüber, waren aber zu faul. So bestellte denn unser guter Herr Professor ein Motorboot, das uns zum Schwimmbad nach Godesberg brachte. 5 Mann, darunter auch ich, gingen „natürlich“ gleich zur Herberge. Hier war es öd und leer. Alles was ausgeflogen. Da wir oben nicht s zu tun hatten, wollten wir uns behilflich erweisen und fingen an, Kartoffeln zu schälen. Alle 15 Minuten durfte einer ans Maschinchen, die übrigen mußten dann mit dem Messer schälen. So verbrachten wir im Schweiße unseres Angesichts 3 genußreiche Stunden. Zum Dank für unsere Mühen bekamen wir unser Abendessen, sonst 20 ch, 20 ch billiger und obendrein noch Zitronenpudding! Das war doch anständig. Dafür gönnten wir den anderen schon, dass sie sich in ihrem Schwimmbad bei angeblich 13 o im Wasser, blau und grün froren. In Wirklichkeit waren es 17 o im Wasser, wie auch angeschrieben war. Nach dem Essen rückten noch verschiedene Gruppen an, unter anderem auch ein alter Schulmeister mit Frau und Klasse, die wir schon vor 2 Jahren in Bacharach kennen gelernt hatten. Sämtliche Nichtangemeldeten, über 50, mussten wieder abrücken. Die Herberge war überfüllt. Auf der Terrasse wurde dann noch ein bisschen Tanz gemacht. Hans Huppert holte seine Geige hervor, es wurde ein bisschen getanzt und gesungen. Die Herbergsmutter erwirkte uns, daß wir bis 10 Uhr aufbleiben durften, weil’s Samstagabend war. Sie hatte uns ins Herz geschlossen, weil wir es als Oberprimaner nicht unter unserer Würde hielten, Kartoffeln zu schälen. Am Sonntagmorgen gingen die, welche frommen Herzens sind, in die Kirche. Danach wurde gemütlich Kaffee getrunken und noch eine Menge Aufnahmen gemacht, wozu wir die Elberfelder Damen einluden. Dann schlug die Abschiedsstunde. Mit Bedauern sahen die Herbergsleiter uns nette Menschen ziehen. Die Elberfelder begleiteten uns in dankenswerter Weise bis zum weiten Bahnhof. Bis der Zug kam, gab Taddy noch einige Gastrollen. Dann dampften wir unter Tücherschwenken ab nach Koblenz. Hier hatten wir eine Stunde Aufenthalt, besuchten das Deutsche Eck und gingen zu dann zum Dampfer, der uns nun, o Manne, 4 ½ Stunden heimwärts tragen sollte bis Assmannshausen. Das war für alle Rheinbegeisterte der Höhepunkt des Ausfluges. Dazu hatten wir das herrlichste Wetter und ausgezeichnete Plätze. Langweilig wurde es, glaube ich, keinem. Die ganze Zeit über. In Assmannshausen kehrten wir in die Winzerschenke ein, wo der Ausflug noch ein bißchen mit Rebensaft begossen wurde. Um 1/2 8 Uhr zogen wir in fideler Stimmung zum Bahnhof und stiegen in den Zug, der uns über die große Hindenburgbrücke der Heimat zuführte. Ich wüsste nicht, daß sich etwas Bemerkenswertes auf dieser Fahrt ereignet hätte. Um 11 Uhr kamen in Neunkirchen an. Die Saarbrücker blieben im Zuge sitzen. Die Sulzbacher stiegen aus, weil der verflixte Zug in Sulzbach nicht hält. Um ½ 12 Uhr kamen wir wohlbehalten an. Wäre der Ausflug ein paar Tage später gewesen, dann hätten wir die Befreiung des Rheines an Ort und Stelle mitfeiern können. Eines hat mich besonders gefreut, wenn das auch wenig galant ist: Unsere beiden Damen haben ihre verdammten Köfferchen mit den Seidenstrümpfen, Parfüm, Brauschere usw. den ganzen Weg allein tragen müssen. Und das war richtig so! Eugen Biehl. Sie sind hier: Profil » Schulgeschichte » Ausflug 1929, 1930 |